Ändert die Geschichten!

Beim abendlichen Gutnacht-Vorlesen für meinen Sohn sträuben sich mir bei einigen Klassikern und Sagen die feministischen Haare. Der Plot ist immer der gleiche: schöne Prinzessin gerät in Gefahr und wird vom mutigen Helden gerettet und dann geheiratet. Wie langweilig (sagt auch mein Sohn). Und wie schädlich, denn so manifestieren sich in den kleinen Kinderköpfen schon früh falsche Stereotypen.

Genau hier müssen und können wir als moderne Eltern ansetzen. Ändert die Geschichten! Die Prinzessin ist nicht schön, sondern intelligent (oder mutig, oder interessiert, oder lustig – sucht euch was aus!). Der Held rettet sie nicht, sondern kämpft an ihrer Seite. Und er nimmt sie nicht einfach zur Frau, sondern fragt sie, ob sie das auch möchte. Übertrieben? Nö, warum? Die Geschichten werden dadurch nur spannender und Gleichberechtigung für unsere Kinder zur Selbstverständlichkeit. Und so können wir langfristig etwas verändern, indem wir unsere Jungs und Mädchen dabei unterstützen, selbstbewusste, offene und positive junge Menschen zu werden, die nicht in alten Klischees denken.

Man könnte fast sagen, ich bin stolze Mama eines supertollen, schlauen und einfühlsamen kleinen männlichen Feministen. Denn in seiner Welt ist es normal, dass ich als Frau selbstbestimmt durchs Leben gehe. Für ihn ist es auch normal, dass sein Papa oft zu Hause ist und sich genauso um ihn kümmert wie ich. Zwar sind für ihn Rosarot und Blau, Puppen und Roboter wichtige geschlechtsdifferenzierende Instrumente, aber darüber hinaus werden sie von ihm nicht bewertet. Und genau so sollte das sein. Drum: ändert die Geschichten!